Unsere Klasse wurde 1941, also mitten im 2. Weltkrieg - eingeschult. In diesem Jahr schien der Krieg aber noch weit weg und wir merkten eigentlich nicht viel davon, nur eben die meisten Väter waren nicht zu Hause, was für uns aber fast normal war.
Nun zu unserer Schule, so wie ich diese in Erinnerung habe.
Beeindruckend war die Ausstattung der Schule mit Lehrmitteln - ich denke nicht überall Standart in der damaligen Zeit. So gab es ein Zimmer, welches voll mit Landkarten der ganzen Welt war - alles gut geordnet und ordentlich für einen schnellen Zugriff abgelegt. Ein anderes Zimmer war vollgestopft mit Lehrmitteln für Biologie. In Hunderten von Gefäßen waren Tiere aller Art in Spiritus präpariert - besonders negativ beeindruckend waren die Schlangen. Dazu Unmengen an Ausgestopften von Vielem was da fleucht und kreucht.Dazu große Mengen an Anschauungstafeln und anderen Anschauungsmitteln. Nicht minder gut ausgestattet waren die Zimmer mit den Lehrmitteln für Physik und Chemie - was mich persönlich stark interessierte.
Besonders lebhaft erinnere ich mich noch an den riesen Fundus an Lehrfilmen. Einige machten so einen starken Eindruck auf mich, dass ich mich noch heute an sie erinnere: So z. B. über die Flößerei, über die Köhlerei, über die Herstellung von Erzgebirgsspielzeug, auch über die Notwendigkeit des Sparens. Der Film 'Wie einer auszog das Gruseln zu lernen' wurde auch einmal von einem Lehrer vorgeführt, der offenbar ein lustiger Geselle war. Zu unserm Gaudi ließ dieser den Film streckenweise rückwärts laufen, was ganz besonders lustige Szenen ergab.
So wie ich mich erinnere, fanden die Filmvorführungen meist zentral mit vielen Klassen in der Aula statt. Da gab es auch keinen festen Plan - vielleicht hatten die Lehrer manchmal auch keine Lust.
Eine feste Größe in der 'Kulturarbeit' der Schule hatten die jährlichen Schulaufführungen wohl oft unter der Leitung von Frau Fesenfels und mit romantischen Bünenbildern von Lehrer Pfitzner. Noch heute kommen mir Erinnerungen an diese Zeit, wenn ich ein altes Volkslied höre.
Der Unterricht - wir hatten als Klassenlehrer Herrn Pfitzner - wurde mit Strenge und Güte durchgeführt. Und wir lerneten viel Allgemeinwissen: Welcher Lehrer kümmert sich heute noch darum, ob seine Schüler ihre Schuhe selbst mit einer Schleife binden können. Wo werden heute noch die Grundkenntnisse über den Aufbau einer Straße vermittelt.
Und wo können heute die Erstklässler schon ihre Weihnachtsbücher im Einschuljahr selbst lesen - wir konnten es.
So richtig Schluss mit der lustigen Kindheit wurde es dann in den letzten Kriegsmonaten, wie auch nachstehender Ausschnitt zeigt:
Im Oktober 1995 feierte unsere Pestalozzischule ihr 100-jähriges Bestehen. Dazu gab es vom 4. bis zum 10. Oktober eine würdige Festwoche. In einer Festschrift wurde über Geschichte, Personen und Ereignisse ausführlich und informativ berichtet.
Hier eine Dokumentenabschrift aus dem Jahre 1919 zur Einführung der allgemeinen Volksschuleund hier ein Gruppenbild einer Klasse aus dem Jahre 1949.